Um was geht es eigentlich? Beobachtungen nennen

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Passiert dir das manchmal auch? Du bist bereits eine ganze Weile in einem Konfliktgespräch und langsam realisierst du, dass dein Gegenüber sich nicht auf dasselbe bezieht wie du.

In diesem Moment heisst es dann häufig: "Zurück auf Feld eins."

Deshalb ist es wichtig, in Konfliktgesprächen oder beim Anbringen von Anliegen zuerst klar zu sagen, worauf du dich beziehst. Dabei ist zentral, dass du dich in diesem Schritt auf reine Beobachtungen beziehst und deine Aussagen keine Bewertungen oder Interpretationen beinhalten.

Was sind "reine" Beobachtungen?

Unter "reinen" Beobachtungen versteht man in der Gewaltfreien Kommunikation

  • Zahlen
  • Daten
  • Fakten

Dabei können dies Dinge sein, die man sieht, hört oder mit anderen Sinnen wahrnimmt. So zum Beispiel:

  • Du hast gesagt, dass du um 20.15 Uhr nach Hause kommst.
  • Sie hat das Protokoll im Klientenordner abgelegt.
  • Auf dem Boden liegen Socken, Blätter, ein Rucksack, vier Bücher und drei Kuscheltiere.

Keine Beobachtungen im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation wären dieselben Sätze, wenn sie so formuliert wären:

  • Du hast gesagt, dass früh nach Hause kommen wirst.
  • Sie ist sehr pflichtbewusst.
  • In diesem Zimmer ist ein Chaos.

Wie kannst du herausfinden, ob es sich bei einer Aussage wirklich um eine Beobachtung handelt? Indem du dich fragst: Kann mein Gegenüber sagen: "Das stimmt nicht."? Wenn du obige Sätze anschaust, wirst du sehen, dass man auf die unteren drei Sätze problemlosen mit "Nein" antworten kann, je nach dem, was man unter früh, pflichtbewusst oder Chaos versteht. Das deutet daraufhin, dass Interpretationen oder Bewertungen im Spiel sind. 

Hinderliche Bewertungen und Interpretationen

Weshalb sind Interpretationen und Bewertungen in Gesprächen häufig ein Hindernis? Einerseits, weil sie nicht Klarheit schaffen und andererseits, weil sie Widerstand auslösen, wenn die Bewertungen moralischer Natur sind. Moralisch sind Bewertungen dann, wenn sich die Bewertung auf menschliches Handeln oder Menschen selber beziehen und eine Unterteilung in "richtig" und "falsch" oder "gut" und "böse" beinhalten. Die folgenden Sätze beinhalten beispielsweise moralische Bewertungen:

  • Du bist unzuverlässig.
  • Wenn du nicht so sensibel wärst, würde dir das nicht so viel ausmachen.
  • Sie ist ziemlich egoistisch.

Stelle dir vor, jemand würde diese Sätze sagen und damit dich meinen. Was löst das bei dir aus? Hättest du Lust, mit dieser Person ins Gespräch zu kommen? Vermutlich nicht. Viel eher wirst du dich ärgern, wenn du findest, dass dieses moralische Urteil über dich nicht stimmt. Oder du wirst dich schämen oder schuldig fühlen, wenn du denkst, dass dieses moralische Urteil über dich stimmt.

Aus diesem Grund: Versuche in Gesprächen immer wieder, mit kurzen Beobachtungen klar zu machen, worauf du dich beziehst.