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Wertschätzung ist mehr als eine Haltung – sie steckt in Strukturen

  • 29. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Folge 6 von «Du führst.» mit Gallus Staubli, Leiter Bildung und Vermittlung im Museum für Kommunikation Bern


In vielen Museen stehen ausgerechnet jene Menschen am Rand der Organisation, die das Gesicht der Institution sind: die Vermittlerinnen und Vermittler, die mit dem Publikum ins Gespräch kommen. Stundenlohn, kleine Pensen, keine Festanstellung. Gallus Staubli wollte das nicht länger hinnehmen – und hat im Museum für Kommunikation in Bern ein anderes Modell aufgebaut.




Vom diffusen Gefühl zum Paradigmenwechsel

Gallus Staubli ist seit 1998 verantwortlich für Bildung und Vermittlung am Museum für Kommunikation. Als das Museum 2016 für ein Jahr schloss, um 2017 mit einer neuen Dauerausstellung wiedereröffnet zu werden, nutzte er den Moment für etwas, das er als «strukturelles Problem» seines Berufsfelds empfand: dass Kulturvermittlerinnen und Kulturvermittler überall in prekären Verhältnissen arbeiten – obwohl gerade sie diejenigen sind, die am meisten Kontakt zum Publikum haben und sozusagen das Gesicht des Museums sind.

Sein Team heute: 17 festangestellte «Kommunikator:innen», alle mit demselben Pflichtenheft, alle mit einem Pensum, das zur Pensionskasse berechtigt, alle in einem Jahresplan, der für sie funktioniert. Eine Konstellation, die in Schweizer Museen ihresgleichen sucht.


Hierarchiefrei im Team

Es gibt keinen Tageschef, keine Tagesleitung. Das Einzige, was nicht verhandelbar ist, ist die Haltung: «Das Publikum kommt zuerst, und wir wollen in einen echten Dialog treten.» Innerhalb dieses Rahmens darf das Team alles. Es darf scheitern. Es darf jeden Morgen kreativ werden – und es muss nicht. Daraus entstehen Aktivitäten, die kein Konzept je vorgegeben hätte: ein inverses Monopoly etwa, bei dem Gewinner ist, wer sein Geld zuerst los wird, und an dem fremde Menschen am Tisch über das Thema Geld ins Gespräch kommen.


Wertschätzung als Struktur, nicht nur als Tonfall

Im Vorgespräch hat Gallus einen Satz gesagt: «Wertschätzung war nicht der Treiber. Wir wollten Strukturen schaffen, in denen sich das Team entfalten kann.» Und trotzdem haben die Veränderungen auf Ebene der Wertschätzung Wirkung entfaltet: Wertschätzung wird nicht nur über Feedback-Tools gelebt, sondern über Pensum, Pensionskasse und andere Rahmenbedingungen.

Dazu gehört auch eine jährliche dreitägige Retraite, regelmässige Debriefings oder bilaterale Gespräche. Und eine Feedback-Kultur, die ausdrücklich auch kritische Rückmeldungen umfasst. Denn Wertschätzung – das ist eine zentrale These dieser Folge – ist nicht nur das Angenehme. Sie ist auch das ernsthafte Ansprechen dessen, was nicht passt.


Über die Frage, was Ausbildung wert ist

Gallus ist Primarlehrer, hat Geschichte und Politikwissenschaft studiert, ohne abzuschliessen, ist seit 28 Jahren am selben Haus, unterrichtet seit zwei Jahrzehnten an Fachhochschulen und der PH Bern. Als ich ihn für das Gespräch angefragt habe, hat er zuerst abgesagt: Er habe das Metier als Führungsperson nicht «gelernt» und es sei ihm peinlich, trotzdem unter Expert:innen aufzutreten. Genau deshalb ist diese Folge spannend – sie stellt die Frage, was formale Ausbildung und was gelebte Praxis zu guter Führung beitragen.


Die letzte Frage

Was hat Gallus über Führung gelernt, wenn er auf seine 28 Jahre zurückblickt?

„Dass man das, was einem wichtig ist, vorlebt. Was ich erwarte, welche Haltungen und Werte gelebt werden sollen – das muss ich selber so vorleben.“


Jetzt reinhören

Die ganze Folge findest du unter david-rossi.ch/podcast – oder direkt in deiner Podcast-App.

 
 
 

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